
K r a n k h e i t e n:
Sind Zuchttiere krank hat dies negative Folgen für die ganze Zucht. Es kann zu
individuellen Krankheiten wie Tumoren oder Hinterhandlähmung kommen. Es gibt
aber auch Krankheiten, die auf den gesamten Bestand übergreifen können, wie
Mykoplasmose oder Parasiten.
Grundsätzlich muss der Halter einer guten Futtertierzucht versuchen Krankheiten
zu vermeiden, um seinen Bestand gesund und produktiv zu erhalten. Dies ist nicht
schwierig, denn ausgewogenes Futter, genügend Platz und Beschäftigung sind der
Grundstein.
Im folgenden werden hier die häufigsten Krankheiten bei Ratten aufgeführt und
wie man sie behandeln und vermeiden kann. Dabei greifen wir auf unsere
jahrelange Erfahrung in der Rattenhaltung zurück. Dies ist kein tierärztlicher
Rat.
Rote Tränen und "blutende" Nasen:
Manche Ratten haben rötlichen Ausfluss aus Nase und Augen. Man muss schauen, ob
es sich tatsächlich um Blut handelt oder nicht. Blut ist dicker, verkrustet zu
rostbraunen Rückständen. So genannte Rote Tränen sind flüssiger. Dabei handelt
es sich um ein Sekret, dass bei Ratten normalerweise klar ist. Es verfärbt sich
rot bei Krankheit oder Stress. Normalerweise putzt die Ratte das Sekret sofort
weg. Ältere Tiere vernachlässigen dies. Sollte man das Sekret öfter bemerken
sollte man das Tier aufmerksam beobachten. Es könnte ein Anzeichen für eine
Erkrankung sein.
Atemgeräusche
Ratten machen völlig normale Geräusche wie Fiepen oder Fauchen. Darüberhinaus
knirschen sie zur Kommunikation mit den Zähnen.
Andere Geräusche wie Pfeiffen, Knacken, Knattern, Rasseln oder Gurren weisen auf
ein Atemwegsproblem hin, dass vom Tierarzt behandelt werden muss, denn es stehen
verschiedene Auslöser zur Wahl: Erkältung, Asthma, Lungentumor, Wasser in der
Lunge usw. Diese Krankheiten verschwinden nicht von selbst und sind ohne
Behandlung tödlich. Lungeninfekte können durch unhygienische Haltung (Staunässe,
Terrarienhaltung, Staub) oder Durchzug entstehen. Sind diese Ursachen behoben
und hat der Tierarzt den Infekt behandelt, kann die Ratte wieder völlig
genesen.
Mykoplasmose
Diese Erkrankung ist ein Befall mit
Mycoplasma pulmonis
. Die meisten Ratten tragen diesen Erreger in sich. Trotzdem ist Mykoplasmose
sehr ansteckend. Sind die Tiere geschwächt bricht die Erkrankung aus und
schädigt das Lungengeweben. Darüber haben Sekundärinfektionen wie
Lungenentzündung leichtes Spiel. Eine Behandlung mit Antibiotika ist nötig,
ansonsten sterben die Tiere schnell an schweren Infekionen.
Tumore
Tumore sind eine häufige Erkrankung bei Ratten. Sie treten vermehrt im Alter
auf, aber auch junge Tiere können sie bekommen. Manche Tumore wachsen schnell,
andere nur langsam. Typisch sind Mammatumore, also Tumore in der Milchleiste bei
Rattenweibchen. Wichtig ist abklären zu lassen, ob es sich um einen Tumor oder
einen Abzess handelt, da Erfolgsaussichten und Behandlung völlig unterschiedlich
sind!
In der Liebhaberhaltung werden Tumore bei Ratten je nach Lage am Körper und
Alter des Tieres operiert. Die Erfolgsaussichten sind ungewiss. Bei manchen
Tieren bleibt es bei einem einmaligen Tumor, bei anderen wachsen sie nach
wenigen Monaten nach. Sicher ist: Wenn der Tumor das Tier in seiner Bewegung
behindert oder schmerzt (was sich durch Kratzen oder Knabbern am Tumor zeigt)
sollte die Ratte erlöst werden.
Abzesse, insbesondere Ballenabzess
Abzesse allgemein sind kleine Hautverletzungen, die nicht abheilen, sondern sich
entzünden und Eitergeschwüre bilden. Beim schlimmsten Verlauf werden
unbehandelte Abzesse immer größer und brechen schliesslich auf. Es kommt dabei
häufig vor, dass Abzesse sich in den Körper entleeren, eine Blutvergiftung
hervorrufen und das Tier schliesslich stirbt.
Abzesse werden durch kleine Verletzungen hervorgerufen, etwas durch Kratzer,
Bisse oder Stiche von Heu, Stroh oder anderen spitzen Einrichtungsgegenständen.
Sie müssen von einem Tierarzt behandelt werden. Dabei wird der Abzess eröffnet,
gespült und die Wunde versorgt. Danach kann die Stelle wieder abheilen und die
Ratte völlig gesund werden.
Ballenabzesse oder "Bumblefoot" sind besondere Geschwüre, die häufig bei schweren Böcken auftreten. Ursache sind kleine Verletzungen an der Fusssohle, insbesondere wenn die Tiere auf hartem Untergrund gehalten werden. Ratten dürfen daher keinesfalls auf Gitterböden gehalten werden. Diese Ballenabzesse sind äusserst schmerzhaft und nur schwer zu behandeln. Daher sollte man versuchen ihr Entstehen zu verhindern: Weiches Einstreu, dass regelmässig gewechselt wird ist Pflicht, denn feuchtes, uringetränktes Streu verstärkt die Gefahr noch weiter.
Parasiten
Parasiten sind ein häufig auftretendes Problem in der Nagerhaltung und ein
echtes Ärgernis. Vorweg: Nagermilben, -haarlinge und -würmer können in den
meisten Fällen weder auf Menschen noch auf Reptilien übertragen werden.
Trotzdem schädigen sie die Zuchttiere und müssen daher bekämpft werden. Häufig
schleppt man sich Parasiten von anderen Beständen ein, aber auch Einstreu und
Futter können "Untermieter" mitbringen. Sollte man den Platz haben ist es
hilfreich Futter und Streu mehrere Tage einzufrieren.
Oft hat ein Bestand bereits "schlummernd" Parasiten. Bei kranken oder
geschwächten Tieren können sich diese stark vermehren und man sieht schliesslich
den Befall. Begünstigend sind dabei: Stress, zu wenig Hygiene, zu starke Hygiene
(steril gehaltene Ratten können kaum Abwehrkräfte bilden), Terrarienhaltung
(wegen Staunässe und fehlender Luftzirkulation), und schlechte Ernährung.
Symptome sind: Juckreiz, Hautverletzungen, Schorf, Schuppen, Unruhe, Aggression, Haarausfall, Apathie, Schmerzen, struppiges Fell, dicke Bäuche und Durchfall (bei Würmern). Bei starkem Wurmbefall kann man die weisslichen Würmer im Kot sehen.
Behandlung:
Beim Tierarzt kann man gegen die verschiedenen Parasiten Mittel kaufen. Man
sollte dem Tierarzt sagen, dass es sich um Futtertiere handelt. Er/sie kann
dann abschätzen, wann man die Tiere ohne Gefahr wieder verfüttern kann bzw. ob
das Mittel überhaupt für Futtertiere geeignet ist. Denn bei den meisten Mitteln
handelt es sich um GIFTE. Man sollte daher nicht vorbeugend oder sorglos
behandeln. Im schlimmsten Fall gefährdet man damit sich, die Futtertiere und
die Haustiere. Mittel aus der Zoohandlung sind generell nicht zu empfehlen.
Neben der Behandlung der Tiere sollte alles austauschbare im Käfg weggeworfen
und neu angeschafft werden. Andere Gegenstände sollten abgekocht, im Backofen
gebacken oder eingefroren werden, falls das Material es zulässt. Der Käfig
sollte gründlich ausgewaschen und desinfiziert werden.
Die meisten Parasitenmittel wirken auch gegen Milben - Milben sind Spinnentiere. Halter von
Vogel- und anderen Spinnen sollten diese für die Zeit der Behandlung in einen anderen Raum stellen.
Aggressionen
Ratten können Aggressionen zeigen, was verschiedene Ursachen haben kann:
- Weibchen verteidigen ihr Nest. Das ist völlig normal.
- Tiere verteidigen ihr Rudel/ihr Revier gegen andere Ratten. In diesem Fall
sollte man noch einmal vorsichtig versuchen die Tiere zu vergesellschaften und
sich dabei Zeit nehmen. Sollte es dauerhaft zu Beissereien kommen muss das Rudel
getrennt werden.
- Tiere haben Schmerzen. Ein Tierarzt sollte abklären woher die Schmerzen kommen
und diese behandeln.
- Tiere verteidigen sich/ihr Rudel/ihr Revier gegen Menschen: Aggressionen gegen
Menschen sind nicht schön, kommen aber vor. Die Tiere verteidigen sich gegen
Berühren und können heftig zubeissen. Dem kann man bei einem erwachsenen Tier
kaum noch entgegenwirken. Hat man vor ein Jungtier aus dem Wurf als Zuchttier zu
behalten, sollte man versuchen es schon früh an den Menschen und die Hand zu
gewöhnen. Dann hat man es später leichter.
Rattenbisse sind infektiös. Oberflächliche Bisse sollten desinfiziert und
abgedeckt werden. Tiefe Bisse müssen von einem Arzt behandelt werden! Dies gilt
für Mensch und Ratte!
Verletzungen
Es kann vorkommen, dass sich Tiere selbst oder gegenseitig verletzt. Auch spitze
oder scharfe Einrichtungsgegenstände können Verletzungen hervorrufen. Man sollte
den Käfig genau untersuchen, ob solche Gefahrenquellen vorhanden sind.
Kleinere Schürfwunden und oberflächliche Verletzungen können mit Wundsalbe
behandelt werden. Sind die Wunden größer und tiefer muss ein Tierarzt aufgesucht
werden, damit die Wunde versorgt wird. Schwanzverletzungen brauchen besondere
Aufmerksamkeit, da sie sehr schmerzhaft sind und es vorkommt, dass Teile des
Schwanzes nach einer Verletzungen nicht mehr durchblutet sind.
Schiefkopf
Hält eine Ratte dauernd den Kopf zur Seite geneigt spricht man von einem
Schiefkopf. Bei einem schweren Verlauf kann darüberhinaus die Motorik gestört
sein. Ursache sind oft Entzündungen im Kopfbereich, also zum Beispiel im
Mittelohr oder einem Backenzahn. Bei älteren Tieren kann auch ein Schlaganfall
die Ursache sein. Ein Tierarzt kann herausfinden was die Ursache ist. Mittelohr-
oder eine Zahnentzündung kann man auch riechen. Es empfiehlt sich einen
Schiefkopf früh behandeln zu lassen. Ist die Entzündung mit einem Antibiotika
bekämpft kann das Tier ein völlig normales Leben führen und weiterhin für die
Zucht eingesetzt werden.
Kopfpendeln
Insbesondere rotäugige Ratten bewegen den Kopf langsam hin und her, man könnte
auch "Leseratte" dazu sagen. Dieses Verhalten ist völlig normal, da rotäugige
Ratten deutlich schlechter sehen als Tiere mit dunkler Augenfarbe. Durch das
Pendeln versuchen sie ihre Sehschwäche auszugleichen.
In der Liebhaberzucht wird auf das Verpaaren von rotäugigen Ratten verzichtet,
da diese nicht nur schlechter sehen, sondern auch lichtempfindlicher sind.
Hinterhandlähmung
HHL ist eine Lähmung der Hinterläufe, die besonders häufig bei älteren und
großen Rattenböcken auftritt. Die Tiere beginnen mit einem watschelnden Gang,
der sich soweit verschlechtert, bis die Tiere die Hinterläufe nicht mehr bewegen
können. HHL im Endstadium behindert die Körperpflege und ist nicht heilbar.